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Reisebericht Teil 1 – Karibu Nyumbani (Willkommen Zuhause)

Mein Herzensland Kenia – unterwegs für Tumaini Kenia e.V.

Als erste Vorsitzende unseres Vereins Tumaini Kenia e.V. kenne ich unsere Schützlinge und die Statusberichte meiner Partnerinnen vor Ort in- und auswendig und bin beinahe täglich in Kontakt mit unseren beiden Hilfspersonen in Kenia. Doch unsere Erfolge hautnah in Kenia zu erleben, ist etwas ganz besonderes für mich und hat mir wieder einmal klar gemacht, wie sinnvoll und wichtig meine Arbeit für den Verein ist.

Mit 54 Kilo Hoffnung auf dem Weg

Schon der Start dieser Reise war besonders: 23 Kilogramm Kleiderspenden23 Kilogramm Geschenke und Mitbringsel für die Kinder – und gerade einmal 8 Kilogramm persönliches Gepäck für mich selbst. Viel mehr brauchte ich auch nicht.

Nach einer langen Reise über den Wolken landete ich an einem Freitagmorgen im warmen, regnerischen Mombasa. Die Erleichterung war riesig, als ich am Ausgang des Flughafens das vertraute, strahlende Gesicht von Pamela erblickte, die mich herzlich in Empfang nahm. Unser gesamtes, wertvolles Gepäck war unbeschadet angekommen!

Die Fahrt vom Flughafen zu Pamela nach Hause war jedoch direkt die erste Bewährungsprobe. Wir reisten mitten in der kenianischen Regenzeit, was die Straßen in regelrechte Schlammpisten verwandelte. Riesige Wasserpfützen, die eher an kleine Seen erinnerten, machten das Vorankommen zu einer echten, abenteuerlichen Slalomfahrt.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Pamela zu Hause und einem köstlichen, stärkenden Swahili-Mittagessen – Kadschumbari na Pilau – machten wir uns direkt auf den Weg zu unserem gemeinsamen Herzensprojekt: unserer kleinen Schule, der Tumaini Star Academy in Majengo.

Als das weiße Schulgebäude mit der handgemalten Aufschrift vor dem strahlend blauen Himmel vor mir auftauchte, habe ich augenblicklich eine Gänsehaut bekommen. So oft hatte ich Fotos davon gesehen – nun stand ich endlich live davor! Obwohl es ein Samstag war, liefen uns sofort die ersten Kinder entgegen. Da sie alle in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule leben, sprach es sich wie ein Lauffeuer herum, dass Besuch aus Deutschland da war. Ich blickte in schüchterne, unglaublich neugierige Augen. Ein kleiner Junge in seinem sonnengelben Hemd stand staunend vor mir; andere Kinder lugten kichernd hinter den hölzernen Stützpfeilern der Veranda hervor.

An diesem Nachmittag durfte ich auch das wunderbare Team vor Ort kennenlernen, das unsere Schule täglich mit Leben füllt: den engagierten Lehrer Mr. Simon, unsere neue Lehrerin Mrs. Karisa, unseren herzlichen Vermieter sowie Mama Mary, die treue Seele des Hauses, die täglich für die Kinder kocht und die Räume sauber hält. Ein ganz besonderer Moment war die Übergabe eines von uns gespendeten Laptops an Pamela. Ihre Erleichterung und Freude waren grenzenlos. Dieser Laptop wird unsere Zusammenarbeit revolutionieren – ab jetzt können wir Ausgaben und Budgets in Echtzeit in einer gemeinsamen Liste pflegen und sie kann mir Fotos und Updates direkt und ohne Umwege nach Deutschland senden.

„Karibu Nyumbani“ (Willkommen Zuhause): Das große Fest im Regen

Der nächste Morgen begann früh mit einem Großeinkauf im Supermarkt zusammen mit Jane. Sie hatte alle Kinder, die sie betreut, zu ihr nach Hause eingeladen, um sie dort mit Snacks und Getränken zu bewirten. Als wir an Janes Haustür ankamen, hielten die Mädchen eine ganz besondere Überraschung für mich bereit. Vor der Tür lag eine handgestaltete Fußmatte mit der Aufschrift: „Welcome Home. Karibu Nyumbani tena na tena“ (Willkommen zu Hause, wieder und wieder). Diese herzliche Geste rührte mich augenblicklich zu Tränen. In diesem Moment spürte ich: Ich bin hier nicht nur eine Besucherin, ich bin ein Teil dieser großen Familie.

Weil der Himmel seine Schleusen öffnete und es unaufhörlich goss, hatte Jane vorsorglich ein großes, weißes Schutzzelt für den Innenhof gemietet. Ein absoluter Segen! Trocken und geschützt saßen wir bei einer heißen, süßen Tasse kenianischem Chai zusammen. Anfangs herrschte noch eine spürbare Schüchternheit unter den Kindern. Doch das Eis brach, als wir gemeinsam sangen und beteten. Die Kinder falteten die Hände, schlossen die Augen und stimmten Lieder an, die so voller Inbrunst und Rhythmus waren, dass sie die Regenwand um uns herum völlig vergessen ließen. Die kraftvollen, klaren Stimmen der älteren Mädchen wie Asha hallten unter dem Zeltdach wider und ließen niemanden kalt.

Dann kam der Moment, auf den alle sehnsüchtig gewartet hatten: die Verteilung der Briefe und Geschenke ihrer deutschen Paten. Wir hatten für jedes Kind eine schwarze, personalisierte Stofftasche vorbereitet, in denen Schulutensilien und kleine Geschenke waren und auf der der jeweilige Name stand – Gladys, Esther, Harrison, Gareth und all die anderen.

Eine ganz außergewöhnliche Geschichte durften wir an diesem Tag mit Gladys feiern. Ihre Patin Melisande ist Buchautorin. Als sie die Patenschaft für Gladys übernahm, fasste sie den rührenden Entschluss, eines ihrer Kinderbücher („Donkey’s Wish List“) eigens ins Englische zu übersetzen, damit ihr Patenkind es selbst lesen kann. Und damit am Ende kein Kind traurig zusehen musste, spendete sie kurzerhand ein gedrucktes Buch für jedes einzelne unserer Kinder!

Es war ein unbeschreibliches Bild: Überall im Zelt saßen Kinder auf Plastikstühlen und blätterten andächtig in ihren neuen Büchern. Hamisi hielt stolz sein personalisiertes Notizbuch in den Händen, während andere Kinder tief versunken die Fotos und Briefe betrachteten, die ihnen ihre Patenfamilien aus Deutschland geschickt hatten, um ihnen ihr Leben zu zeigen. Die Mädchen begannen sofort, sich bunte Freundschaftsbändchen umzulegen, und die Jungs freuten sich über neue Schulmaterialien wie Lineale und Stifte. Damit es keinen Neid geben konnte, bekamen alle Kinder das Gleiche und jedes Kind erhielt einen Brief. Die Kinder, deren Paten keinen Brief geschrieben hatten, bekamen einen von mir geschriebenen Brief des Vereins mit herzlichen Grüßen ihrer Paten. So ging kein Kind leer aus.

Inmitten dieses Trubels stand ich da und realisierte: Das, was ich hier sehe, diese 30 wundervollen Kinder und Jugendlichen, sind gerade einmal die Hälfte all der Kinder, die wir durch unseren Verein unterstützen. Zu sehen, wie prächtig sie sich entwickeln, ist der schönste Lohn für unsere Arbeit.

Von kulinarischen Wünschen und einem sehr geschäftigen Huhn

Natürlich kam auch das leibliche Wohl nicht zu kurz. In der Küche herrschte emsiges Treiben: Es wurden riesige, saftige Wassermelonen aufgeschnitten und Bananen vorbereitet. Die Kinder griffen freudig zu, bissen in die süßen, roten Melonenstücke und genossen die Butterbrote.

Mitten unter den Feierlichkeiten trat Asha, ein Patenkind der ersten Stunde, an mich heran. In ihren Armen hielt sie ein wunderschön gesprenkeltes, lebendiges Huhn – ein offizielles Dankeschön für unsere treue Unterstützung. In Kenia ist das Verschenken eines lebenden Tieres eine der größten Gesten des Respekts und der Dankbarkeit überhaupt. Ich hielt mein allererstes, echtes Huhn im Arm und fragte mich im selben Moment schmunzelnd: Wie erkläre ich das eigentlich später beim Rückflug dem Zoll am Flughafen?

Das Huhn erwies sich zudem als äußerst produktiv. Während wir später am Nachmittag für weitere Besorgungen kurz auf dem Markt waren, nutzte meine gefiederte neue Freundin die Gunst der Stunde und legte prompt ein frisches Ei mitten auf den roten Betonboden neben Janes Schuhe. Ein unvergesslich lustiger Moment, der uns alle schallend lachen ließ!

Bevor sich dieser ereignisreiche Tag dem Ende neigte, gab es noch ein letztes, großes Geschenk zu überreichen: Wir schenkten Jane ein gut erhaltenes, gespendetes Smartphone. Ihre Reaktion war pures Gold. Sie lachte so herzlich und laut aus tiefster Seele, während sie die Kamera testete. Bei jedem geschossenen Testbild jubelte sie begeistert: „Oh, it’s so clear!“ (Oh, es ist so scharf!). Dank dieses Telefons kann sie uns nun endlich hochauflösende Schnappschüsse direkt aus dem Alltag der Kinder schicken, um die Brücke zwischen unseren Paten in Deutschland und ihren Schützlingen in Kenia noch kürzer zu machen.

Weiter geht es hier: Reisebericht Teil 2 – Familienbesuch in Msumarini und Schulbesuche