Mein Besuch im Dorf Msumarini
Nach den intensiven ersten Tagen ging meine Reise weiter – und sie führte mich an einen Ort, der für mich längst mehr ist als nur ein Dorf auf der Landkarte. Am Busbahnhof in Kilifi, wo ich wohnte, wartete Bahati auf mich, meine kenianische „Schwester“, die ich noch aus der Zeit kenne, in der ich im Waisenhaus gearbeitet habe. Schon das Wiedersehen war voller Vertrautheit. Gemeinsam gingen wir zunächst einkaufen – nicht nur für uns, sondern auch mit großen Gastgeschenken für ihre Familie. In Kenia bedeutet ein Besuch niemals nur, kurz vorbeizuschauen. Ein Besuch heißt: Zeit schenken, Essen teilen, Gemeinschaft leben.
Mit dem Matatu, einem kenianischen Kleinbus, ging es zunächst eine Stunde Richtung dem Dorf Msumarini. Wie so oft war der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt, eng, lebendig und laut – und doch gehört genau das für mich inzwischen zu Kenia dazu. Unterwegs nutzten Bahati und ich die Zeit: Wir lernten gemeinsam Deutsch, um sie auf ein bevorstehendes Jobinterview vorzubereiten. Bahati lernt seit einiger Zeit Deutsch, weil sie gerne als Krankenschwester nach Deutschland kommen möchte. Wir unterstützen sie bei ihrem Weg.
Sie hatte mir so oft davon erzählt, wie sehr sie im Waisenhaus die Geschichten von Pipi Langstrumpf geliebt hat. Daher habe ich ihr das Buch auf Deutsch mitgebracht, damit sie diese Geschichten beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen.






Der letzte Teil des Weges führte uns dann mit dem PikiPiki, dem Motorradtaxi, weiter hinein nach Msumarini. Dort angekommen wurde ich sofort wieder mit einer Wärme empfangen, die mich jedes Mal tief bewegt. Bahatis Mama brachte mir bei, wie man Mahamri zubereitet – ein Gericht, das ich mir jedes Mal wünsche, wenn ich ins Dorf komme. Es ist eines dieser Essen, das nach Zuhause schmeckt, nach Zeit, Geduld und Gemeinschaft. In kenianischem Tempo dauert die Zubereitung fast den ganzen Tag – und vielleicht ist genau das das Geheimnis: dass hier vieles nicht schnell gehen muss, sondern gemeinsam geschieht.
Später kamen auch Bahatis Geschwister dazu: Maggie, Silas und Samuel, die ebenfalls durch unseren Verein unterstützt werden. Ihre Mutter kann aufgrund einer Polioinfektion aus der Kindheit nicht arbeiten. Umso mehr wurde mir bei diesem Besuch wieder bewusst, wie wichtig unsere Hilfe ganz konkret ist. Die Briefe ihrer Patinnen und Paten wurden aufmerksam gelesen, direkt beantwortet, und auch Zeugnisse wurden hervorgeholt, gemeinsam angeschaut und besprochen. Diese Momente sind für mich immer besonders wertvoll, weil aus der Patenschaft etwas Greifbares wird: echte Beziehung, echtes Interesse, echte Zukunft.









Auch für die anderen Kinder im Dorf hatte ich kleine Geschenke und Süßigkeiten mitgebracht. Schnell wurde gespielt, gelacht und ausprobiert. Ein kleiner Kreisel reichte aus, um einen ganzen Nachmittag mit Freude zu füllen. Überall sah ich neugierige Gesichter, lachende Kinder und dieses unbeschwerte Miteinander, das mich an Kenia so tief berührt. Und auch Melisandes Buch, das schon bei den anderen Kindern so viel Freude ausgelöst hatte, ist nun im Dorf angekommen und kann dort von vielen Kindern gelesen werden.
Besonders schön war auch die Zeit mit Bahatis Familie selbst: das gemeinsame Essen mit ihrer Mutter, ihrer Tante und sogar ihrer Großmutter, deren genaues Alter niemand kennt – nicht einmal sie selbst. Solche Begegnungen tragen eine Würde und Ruhe in sich, die man kaum in Worte fassen kann. Am Ende gab es natürlich noch ein Familienfoto.











Zwischen all diesen intensiven Begegnungen gab es auch kleine Momente des Durchatmens. Ein Besuch am nahegelegenen Strand mit Freunden, das Rauschen des Meeres, ein freier Nachmittag ohne Termine – all das hat mir gezeigt, warum Kenia für mich ein Herzensland ist. Es ist nicht nur die Schönheit der Strände oder die Weite des Himmels. Es sind die Menschen, die Wärme, die Verbundenheit. Selbst die stillen Momente mit einem Kaffee am Pool oder ein gemeinsamer Spieleabend mit Janes Familie tragen dieses besondere Gefühl in sich: angekommen zu sein.









Schulbesuche
Selbst an den letzten freien Tagen in Kenia wollte ich noch etwas mitnehmen, noch etwas lernen, noch etwas mehr verstehen. Gemeinsam mit Said, den ich bei meinem letzten Besuch kennengelernt habe, habe ich mir deshalb noch ein paar kleine private Schulprojekte angeschaut, um Informationen und Inspiration zu sammeln. Zu sehen, wie mit wenig Mitteln und viel Engagement kleine Schulen entstehen, Kinder lernen und Menschen Verantwortung übernehmen, hat mich sehr beeindruckt. Es erinnert mich jedes Mal daran, dass Veränderung nicht immer groß beginnen muss. Manchmal reicht ein Raum, ein Dach, ein paar Holzbänke, engagierte Menschen – und der Wille, Kindern Zukunft zu schenken.
In Kenia gehört zu einem Schulbesuch immer auch ein offizieller Teil: Ich wurde in jeder Schule dem Headteacher vorgestellt, wir hielten ein wenig Smalltalk, und natürlich durfte auch mein Eintrag ins Gästebuch nicht fehlen. Solche Momente wirken vielleicht unscheinbar, aber sie zeigen mir immer wieder, wie wichtig Respekt, Beziehung und persönliche Präsenz vor Ort sind.
Es war schön zu sehen, wie lebendig Schule hier ist. Fröhliche Kinder winkten mir aus den Türen entgegen, kleine Gesichter schauten neugierig aus den Klassenräumen, und auch die Kleinsten wollten auf Fotos natürlich ganz vorne dabei sein. Gerade diese Mischung aus Einfachheit, Offenheit und Herzlichkeit geht mir immer besonders nah. Schule ist hier nicht einfach ein Gebäude – sie ist Hoffnung.








Anschließend besuchten Jane und ich unsere Schützlinge an der Bofa Comprehensive School. Die Kinder führten mich voller Stolz über das Schulgelände, zeigten mir ihre Klassenräume und wollten natürlich Fotos machen. Was mich dabei besonders berührt hat, war dieser selbstverständliche Stolz auf ihre Schule, auf ihr Lernen und auf das, was sie schon geschafft haben.
Ein weiterer besonderer Moment war, dass die Kinder mir wieder Briefe für ihre Patinnen und Paten mitgegeben haben. Außerdem haben wir noch ein kleines Fotoshooting gemacht, damit aktuelle Bilder mit nach Deutschland reisen können. Die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, sich in Pose zu werfen, sich gegenseitig anzufeuern und für ihre Paten schöne Erinnerungen festzuhalten.





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