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Reisebericht Teil 3 – Ein Tag an der Tumaini Star Academy

Als ich vor dem Gebäude unserer kleinen Schule stand und den großen Schriftzug an der Wand sah, die vielen Kinder davor, die mich erwartungsvoll anschauten, war das ein Moment, den ich kaum in Worte fassen kann. So oft hatte ich die Schule und die Kinder auf Bildern gesehen, so oft hatten wir über sie gesprochen, geplant, gehofft, organisiert – und nun stand ich wirklich dort. An unserer Schule. Bei unseren Kindern.

Ich wurde unglaublich herzlich empfangen. Die Kinder hatten Schilder für mich vorbereitet, auf denen sie mich willkommen hießen. Sie standen vor der Schule, manche noch etwas schüchtern, andere schon ganz neugierig, und dieses Willkommen hat mich tief berührt.

Frühstückspause, Porridge und leere Becher

Wir kamen morgens in der Frühstückspause an. Die Kinder saßen auf dem Boden oder an der Veranda, hielten ihre Becher fest in den kleinen Händen und tranken ihr Porridge. Diese Szene war still und zugleich sehr eindrücklich. Denn sie macht deutlich, was Schule hier oft noch bedeutet: nicht nur Lernen, sondern auch Versorgung.

Viele der Kinder bekommen zuhause nicht regelmäßig genug zu essen. Umso größer ist die Freude über die Mahlzeiten in der Schule. Und tatsächlich: Alle Becher wurden leer getrunken. Dieser Anblick hat mich berührt. Weil er so schlicht ist. Und gleichzeitig so viel erzählt.

Mama Mary bereitete das Porridge gerade zu und verteilte es. Ihr Sohn ist einer unserer Schüler. Besonders schön war für mich zu sehen, dass die Schule nicht nur Kindern Bildung ermöglicht, sondern auch Arbeitsplätze schafft. Auch das ist Hilfe, die weiter reicht.

Lernen mit Freude

Natürlich durfte ich auch im Unterricht dabei sein. Ich saß mit in den Klassen, beobachtete, wie die Kinder Zahlen auf Englisch lernten, und spürte sofort, wie viel Freude und Energie im Raum war. Bei Mr. Simon macht Unterricht sichtbar Spaß. Die Kinder lachten, meldeten sich, machten begeistert mit.

Besonders schön war es, die gespendeten Schulbänke zu sehen. Viele von ihnen tragen die Namen der Spenderinnen und Spender: kleine Zeichen der Verbundenheit zwischen Deutschland und Kenia. Als ich die Bänke sah, wurde mir noch einmal bewusst, wie konkret Unterstützung sein kann.

Überall in den Räumen hingen bunte Lernposter, Zahlenreihen, Wörter und Bilder. Es war einfach, aber voller Leben. Und genau das hat mich tief beeindruckt: Mit vergleichsweise wenig Mitteln entsteht hier etwas Großes.

Geschenke, Kleidung und leuchtende Augen

Einer der schönsten Momente war es, endlich all die Mitbringsel verteilen zu können. Schulmaterialien, Springseile, ein Fußball, Kleidung, kleine Geschenke und Taschen – alles, was wir mitgebracht hatten, fand seinen Weg in kleine, aufgeregte Hände.

Es war wunderbar zu sehen, wie die Kinder ihre neuen Sachen betrachteten, Kleidung anprobierten, Taschen stolz hochhielten und einander zeigten, was sie bekommen hatten. Pamela freute sich die ganze Zeit über die gute Qualität der Kleidung. Die Kinder strahlten. Manche hielten ihre Geschenke ganz fest an sich, als wollten sie sicher sein, dass das alles wirklich ihnen gehört.

Auch Briefe von Patinnen und Paten konnten übergeben werden. Für einige Kinder war das ein ganz besonderer Augenblick. Da wurden Umschläge vorsichtig geöffnet, Fotos betrachtet, Worte gelesen oder vorgelesen.

Und gleichzeitig wurde wieder deutlich: Für viele dieser Kinder suchen wir noch Patinnen und Paten, damit wir die laufenden Kosten der Schule langfristig tragen können.

Spielen, lachen, einfach Kind sein

Zwischen all den ernsten Themen gab es an diesem Tag auch ganz viel Leichtigkeit und Spaß. Ich hatte einige typisch deutsche Kinderspiele mitgebracht, und so spielten wir Eierlaufen, Sackhüpfen und mit kleinen Kreiseln. Zuvor hatten die Kinder sogar mit ein paar zusammengebundenen Tüten Fußball gespielt – improvisiert, kreativ und mit derselben Begeisterung wie mit einem „echten“ Ball.

Es wurde gelacht, angefeuert, gejubelt. Kleine Hände drehten Kreisel auf dem Boden, andere präsentierten stolz ihre bunten Armbänder. Manche Kinder hüpften in viel zu großen Säcken los, stolperten, lachten und machten einfach weiter. Diese Szenen werde ich nicht vergessen. Weil sie zeigen, wie wenig es manchmal braucht, um Freude entstehen zu lassen.

60 Kinder, 60 Chancen

Was mich besonders stolz macht: Mit den 30 Kindern an unserer Schule und den 30 Kindern, die Jane betreut, ermöglichen wir derzeit 60 Kindern den Schulbesuch. Wenn ich diese Zahl lese, klingt sie fast sachlich. Wenn ich aber in die Gesichter dieser 60 Kinder blicke, wird mir klar, was sie wirklich bedeutet: 60 einzelne Geschichten. 60 einzelne Hoffnungen. 60 Chancen auf ein anderes Leben.

Und all das wäre niemals möglich ohne unsere starken Partnerinnen und Partner vor Ort, ohne die vielen Spenderinnen und Spender, ohne unsere Mitglieder, ohne Patinnen und Paten – und ohne Menschen, die daran glauben, dass Veränderung möglich ist.

Abschied, der weh tut

Wie immer kam der Moment viel zu schnell, an dem ich Abschied nehmen musste. Abschied von den Kindern. Von Jane und ihrer Familie. Von meinem Patenkind Mitchel. Von Bahati, Sande und Fadhili, die ich inzwischen seit 15 Jahren kenne – seit der Zeit, in der ich damals in ihrem Waisenhaus gearbeitet habe. Dass wir bis heute verbunden sind, gehört zu den größten Geschenken meines Lebens

Jeder Abschied aus Kenia schmerzt besonders. Weil ich weiß, dass ich nicht nur einen Ort verlasse, sondern Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Mit jedem Rückflug bleibt gefühlt ein Teil von mir dort.

Kwa heri, Kenia. Auf Wiedersehen.